Donut-Ökonomie: Ein Denkrahmen für gerechtes und regeneratives Wirtschaften
Ein Beitrag von GenR-Mitglied Fenia Gropp
Wie müsste ein wirtschaftliches System aussehen, das weder Mensch noch Natur überlastet, sondern es schafft, beide in Einklang miteinander zu bringen?
Diese Frage beschäftigt mich seit dem vergangenen Semester meines Kulturwirtschaftsstudiums, in dem ich mich intensiv mit Formen ethischen Wirtschaftens auseinandergesetzt habe. Um diesem Interesse auch praktisch nachzugehen und Einblicke in eine Organisation zu gewinnen, die soziale und ökologische Fragestellungen verbindet, bin ich Mitglied von Generation Restoration geworden. Besonders interessiert mich dabei, wie gerechte und regenerative Ansätze innerhalb unseres bestehenden Systems funktionieren können, das an dem Ziel unbegrenzten Wachstums festhält.
Dabei tauchen immer wieder ähnliche Fragen auf: Wie können Ressourcen gerechter verteilt werden? Wie lassen sich Kreisläufe schaffen, die nachhaltigen Nutzen schaffen, ohne die Umwelt zu zerstören? Und wie können bereits entstandene Klimaschäden nicht nur begrenzt, sondern langfristig wieder rückgängig gemacht werden?
Diese Fragen gewinnen zusätzlich an Bedeutung, wenn man betrachtet, wie ungleich Ursachen und Folgen des Klimawandels weltweit verteilt sind: Wohlhabende Länder tragen überproportional zur globalen Umweltbelastung und Überschreitung der planetaren Grenzen bei, erleben aber weniger soziale Folgen, während ärmere Regionen am wenigsten von den zugrundeliegenden wirtschaftlichen Aktivitäten profitieren und gleichzeitig besonders stark unter den Auswirkungen leiden, etwa durch steigende Meeresspiegel oder extreme Wetterereignisse. Verursachung und Betroffenheit fallen somit strukturell auseinander und verteilen sich ungleich.
Das Modell der Donut-Ökonomie
Mit genau dieser Ausgangslage hat sich die Wirtschaftswissenschaftlerin Kate Raworth auseinandergesetzt und 2017 als Denkrahmen das Modell der Donut-Ökonomie veröffentlicht. Das Bild des „Donuts“ stellt dabei zwei Grenzen dar. Im Inneren befinden sich zwölf Dimensionen der menschlichen Grundbedürfnisse als soziale Basis. Der äußere Kreis bildet die planetaren Grenzen, deren Überschreitung bedeutet, dass ökologische Systeme aus dem Gleichgewicht geraten.
Zwischen den Kreisen befindet sich der als sozial gerecht sowie ökologisch sicher definierte Bereich – von dem die Menschheit jedoch stark abweicht: Weltweit werden mindestens 7 der 9 planetaren Grenzen überschritten, was mit gravierenden sozialen Defiziten einhergeht.
Die einzelnen Dimensionen sind von den UN-Nachhaltigkeitszielen abgeleitet und setzen sich meistens aus jeweils zwei unterschiedlichen Indikatoren zusammen. Die Dimension „Food“ umfasst beispielsweise sowohl den Anteil unterernährter Menschen („undernourished“) als auch das Ausmaß von Ernährungsunsicherheit („food insecurity“). Auf diese Weise wird sichtbar, wie sich sowohl soziale Defizite als auch ökologische Überschreitungen in den einzelnen Bereichen konkret entwickeln.
Die untenstehende Grafik zeigt den Donut als aufgerolltes Balkendiagramm. Neben den einzelnen Indikatoren zeigt sie zusätzlich, wie sich die jeweiligen Dimensionen zwischen 2000-2001 und 2021-2022 verändert haben. Hellrote Balken markieren Bereiche, in denen sich Defizite beziehungsweise Überschreitungen reduziert haben, dunkelrote Balken zeigen Verschlechterungen und graue Balken kennzeichnen fehlende Daten. Deutlich wird dabei, dass sich einige soziale Dimensionen wie zum Beispiel die Kindersterblichkeit und das Angebot an Gesundheitsdienstleistungen im Rahmen Gesundheit („Health“) verbessert haben, während sich andere – vor allem planetare Dimensionen wie der Klimawandel („climate change“) u.a. mit hoher CO2-Konzentration – weiter verschlechtert haben. Der Donut bildet somit keinen statischen Zustand ab, sondern macht Veränderungen innerhalb der einzelnen Dimensionen über die Zeit sichtbar.
Ausblick
Diese gemeinsame Betrachtung sozialer Gerechtigkeit und planetarer Grenzen macht die Donut-Ökonomie für mich zu einem spannenden Blickwinkel für viele der Fragen, die mich in Verbindung mit Generation Restoration beschäftigen, und bietet einen Ansatz zusammenhängende Krisen verbunden zu denken.
Im Rahmen meiner Bachelorarbeit werde ich mich deshalb vertieft mit den Ansätzen der Donut Ökonomie auseinandersetzen und mögliche Zusammenhänge mit Generation Restoration erkunden. Ich freue mich über eure Gedanken und Anregungen zu diesem Thema und teile die Erkenntnisse, die sich im Laufe meiner Arbeit ergeben, gerne im weiteren Verlauf.
Quellen
Fanning, A.L., Raworth, K. Doughnut of social and planetary boundaries monitors a world out of balance. Nature 646, 47–56 (2025). https://doi.org/10.1038/s41586-025-09385-1
Meißner, A., Bort, S., & Sahan, E. (2026). Doughnut Economics for Regenerative Business Design: Case Studies and Critical Reflections (p. 242). transcript Verlag.
Pogge, T. (2022). Weltarmut und Menschenrechte – Essay | Entwicklungszusammenarbeit | bpb.de. bpb.de. https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/200376/weltarmut-und-menschenrechte-essay/
Raworth, K. (2017). A Doughnut for the Anthropocene: humanity’s compass in the 21st century. Lancet Planet. Health 1, e48–e49
Raworth, K. (2018). Doughnut economics: Seven ways to think like a 21st century economist. Chelsea Green Publishing.
Raworth, K (2025). The Evolving Doughnut, Doughnut Economics Action Lab, Oxford. https://doi.org/10.64981/XGRX2738.
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