Wenn Wasser fehlt: Was wir in Europa von Geflüchteten in Uganda über Ernährungssicherheit lernen können
Wie drei Mitglieder von Generation Restoration e.V. bei ihrem Besuch in der Flüchtlingssiedlung Nakivale erlebten, dass Klimaanpassung und Wiederaufbau zusammengehören.
Der Sommer 2026 begann in Deutschland ungewöhnlich früh mit hohen Temperaturen. Es folgten intensive Hitzewellen, Wasserknappheit und Ernteausfälle – ein weiteres Zeichen dafür, dass extreme Wetterlagen durch den Klimawandel zunehmend zur Normalität werden. Während die Hitze hierzulande noch eine Ausnahmesituation bleibt, ist anhaltende Trockenheit in Uganda für viele Menschen in der Nakivale-Flüchtlingssiedlung längst Teil ihres Alltags. Seit mehr als sechs Monaten ist dort kaum ein Tropfen Regen gefallen. Angesichts drastisch gekürzter internationaler Hilfe und Lebensmittellieferungen entwickeln die Menschen vor Ort kreative Strategien, um ihre Ernährung zu sichern und die Wasserhaltefähigkeit der Böden langfristig zu verbessern.
Solche regenerativen Strategien standen im Mittelpunkt, als die drei Mitglieder des gemeinnützigen Vereins Generation Restoration e.V. (GenR) – Sonja, James und Moritz – im Sommer 2026 die Partnerprojekte in Nakivale besuchten. Ziel der Reise war es, die GenR-Partner-Projekte vor Ort kennenzulernen, selbst mitzuarbeiten und die Beziehungen zu den von Geflüchteten geführten Partnerorganisationen zu vertiefen.
Trockenheit als größte Herausforderung
Schon kurz nach ihrer Ankunft zeigte sich, welche Herausforderung den Alltag der Menschen derzeit bestimmt: Wasser. „Ich kann mich nicht erinnern, wann es in Nakivale zuletzt geregnet hat“, berichtet Michael von der Partnerorganisation MANUD (Masoka Nutrition for Development). Er selbst ist aus dem Kongo nach Uganda geflohen und versucht, wie über 270.000 andere in Afrikas ältester Flüchtlingssiedlung, täglich über die Runden zu kommen. Die lange Trockenzeit mit minimalem Niederschlag zählt zu den größten strukturellen Herausforderungen der Region – und macht deutlich, wie eng Klimaanpassung und Ernährungssicherheit miteinander verbunden sind.
Als Antwort darauf setzen die Partnerorganisationen unter anderem auf Double Digging – eine regenerative Anbaumethode, bei der Beete besonders tief vorbereitet werden. So kann der Boden Regenwasser, sobald es fällt, besser aufnehmen und speichern. Selbst wenn die obere Erdschicht austrocknet, bleibt die Feuchtigkeit darunter erhalten und schafft die Grundlage für den Gemüseanbau auch während längerer Dürrephasen.
Wissen, das vor Ort entstanden ist
Bei ihrem Besuch erlebten die drei Mitglieder von Generation Restoration, mit wie viel Fachwissen und Eigeninitiative die Geflüchteten in den GenR-Partnerorganisationen in wenigen Jahren ein umfassendes Verständnis für regenerative Landwirtschaft und Permakultur aufgebaut haben. Sie arbeiteten selbst mit und erfuhren durch Paulinho und sein Team von Unidosprojects, wie anspruchsvoll etwa das Ausheben von Versickerungsmulden (engl. “Swales”) ist – genau das, was die Böden vor der Trockenheit schützen soll.
Auch die Gespräche mit den Teilnehmenden von Permakultur-Trainings machten deutlich, wie viel Wissen und Gestaltungswille in Nakivale vorhanden sind. Eine Teilnehmerin des Permakultur-Trainings zeigte den Besuchern stolz die zehn verschiedenen Gemüsesorten, die sie inzwischen selbst anbaut – ein Ergebnis eigener Erfahrungen mit regenerativen Anbaumethoden, die auch unter Trockenheit Ernten ermöglichen.
„Ich war überrascht, wie motiviert und engagiert die Menschen in Nakivale waren.“, so James. „Ihre Bereitschaft, Verantwortung für die Projekte zu übernehmen und die Situation in ihrer Gemeinschaft zu verbessern, war wirklich inspirierend.“ Auch der Umgang mit begrenzten Mitteln blieb den Reisenden in Erinnerung: Mit vergleichsweise wenig Ressourcen lassen die Geflüchteten in Nakivale spürbare Veränderungen entstehen.
Regeneration statt Abhängigkeit: Der Ansatz von
Generation Restoration
Das ist die Vision von Generation Restoration: Flüchtlingscamps und -siedlungen werden zu Orten der Regeneration und Hoffnung – für Umwelt und Menschen, durch den Antrieb der Geflüchteten selbst. Der gemeinnützige Verein mit Sitz in München fördert und verbreitet regenerative Methoden und Projekte und arbeitet dafür z.B. in Uganda mit flüchtlingsgeführten Partnerorganisationen zusammen. So können Menschen, die scheinbar nichts haben, Camps zu Orten des ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Wiederaufbaus weiterentwickeln. Die aktuellen Projekte fügen sich wie drei regenerative Bausteine zu einem Gesamtbild zusammen: Permakultur-Trainings, in denen Geflüchtete Wissen zu regenerativer Landwirtschaft, Saatgutproduktion und Klimaschutz weitergeben; Biochar (Pflanzenkohle), die die Geflüchteten aus landwirtschaftlichen Reststoffen herstellen und damit die Wasserspeicherfähigkeit sowie Fruchtbarkeit der Böden verbessern sowie langfristig Kohlenstoff binden; und wasserlose Toiletten, mit denen die Geflüchteten sich eine würdevolle Sanitärsituation zurückerobern und deren Kompost die Bodenregeneration unterstützt.
Generation Restoration versteht sich dabei als Brückenbauer zwischen lokalen Initiativen, Entwicklungsorganisationen, Förderern und Investoren. Ziel ist nicht neue Abhängigkeit, sondern mehr Autonomie. Der Besuch in Nakivale zeigt, dass die entscheidenden Impulse für Klimaanpassung und Wiederaufbau bereits vor Ort entstehen – getragen von Menschen, die ihr Wissen teilen, Verantwortung übernehmen und ihre Gemeinschaften trotz anhaltender Dürre aktiv mitgestalten.
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